«Es hat mich jemand berührt»

Wortgottesdienst zum Welt-AIDS-Tag 2002 in St. Antonius, Trier, Viehmarktplatz

Eröffungslied In der Mitte der Nacht
Kyrie eleison Wir sterben Tode
Tag für Tag,
verspüren Ängste
Nacht für Nacht.
Wir wollen leben,
wollen frei sein:
Herr, erbarme dich.

Wir suchen Hoffnung
Tag für Tag,
ersehnen Frieden
Nacht für Nacht.
Wir wollen hoffen,
wollen atmen:
Christ, erbarme dich.

Wir brauchen Liebe
Tag für Tag,
erbitten Hilfe
Nacht für Nacht.
Wir wollen lieben,
wollen geben:
Herr, erbarme dich.

Impuls:
Plakate mit folgendem Hinhalt werden aufgestellt und vorgelesen:

Aids - vier Buchstaben
Leid für die Kranken

A wie die Angst, wenn die Krankheit auftritt
I wie die Isolation, in der viele leben
D wie die Depressionen, die häufig auftreten
S wie die Schuldgefühle, die einen noch kranker machen

Aids - vier Buchstaben
Fehlverhalten für die Gesunden

A wie die Arroganz im Verhalten vieler
I wie die Ichsucht, die keine anderen mehr zulässt
D wie das Desinteresse, das gleichgültig werden lässt
S wie die Sicherheit, in der man sich selber zu sehr wiegt
Psalm 30 Im sicheren Glück dachte ich einst:
Ich werde niemals wanken.
Herr, in deiner Güte
stelltest du mich auf den schützenden Berg.
Doch dann hast du dein Gesicht verborgen.
Da bin ich erschrocken.
Zu dir, Herr, rief ich um Hilfe,
ich flehte meinen Herrn um Gnade an.
Höre mich, Herr, sei mir gnädig!
Herr, sei du mein Helfer!
Da hast du mein Klagen in Tanzen verwandelt,
hast mir das Trauergewand ausgezogen
und mich mit Freude umgürtet.
Darum singt dir mein Herz und will nicht verstummen.
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.
Die Plakate werden herumgedreht und haben jetzt folgende Aufschrift:
A usdauer
I chstärke
D urchhaltvermögen
S tandhaftigkeit
A ufmerksamkeit
I nteresse
D ankbarkeit
S olidarität

Gott, deine Liebe verwandelt unsere Angst, unsere Isolation, unsere Depressionen und unsere Schuldgefühle in Ausdauer, Ichstärke, Durchhaltevermögen und Standhaftigkeit.
Wir danken dir.

Gott, deine Liebe verwandelt unsere Arroganz, unsere Ichsucht, unser Desinteresse und unsere falsche Sicherheit in Aufmerksamkeit, Interesse, Dankbarkeit und Solidarität.
Wir danken dir.

Gebet
Halleluja Halleluja. Halleluja.
Jesus spricht: Es hat mich jemand berührt.
Halleluja.
Evangelium aus dem 8. Kapitel des Lukasevangeliums Während Jesus auf dem Weg zum Synagogenvorsteher Jaïrus war, drängten sich die Menschen um ihn und erdrückten ihn beinahe. Darunter war eine Frau, die schon seit zwölf Jahren an Blutungen litt und bisher von niemand geheilt werden konnte. Sie drängte sich von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes. Im gleichen Augenblick kam die Blutung zum Stillstand. Da fragte Jesus: Wer hat mich berührt? Als alle es abstritten, sagten Petrus und seine Gefährten: Meister, die Leute drängen sich doch von allen Seiten um dich und erdrücken dich fast. Jesus erwiderte: Es hat mich jemand berührt; denn ich fühlte, wie eine Kraft von mir ausströmte. Als die Frau merkte, daß sie es nicht verheimlichen konnte, kam sie zitternd zu ihm, fiel vor ihm nieder und erzählte vor allen Leuten, warum sie ihn berührt hatte und wie sie durch die Berührung sofort gesund geworden war. Da sagte er zu ihr: Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!
Predigt
Fürbitten Das Motto des Welt-Aids-Tages 2002 lautet: «Leben und leben lassen»
Wir bitten um Toleranz für verschiedene Lebensstile, die dazu führt, dass jeder Mensch seinen Lebensstil offen leben darf, auch wenn er von der HIV-Infektion betroffen ist und dies nicht verheimlichen muss.

Wir bitten darum, dass von HIV betroffene Menschen nicht stigmatisiert und diskriminiert werden.

Mehr als 40 Millionen Menschen sind weltweit HIV infiziert. In Entwicklungs­und Schwellenländern einschließlich der osteuropäischen Staaten und der ehemaligen Sowjetunion verläuft die Zunahme der Infektion ungebremst. Die Situation in Afrika ist geprägt dadurch, dass man über HIV und AIDS aus Angst vor Stigma und Diskriminierung nicht spricht. Dies gilt aber auch für unser Land und unsere Region. Auch hier gibt es Menschen, die aus begründeten Ängsten nicht offen sagen können, an welcher Infektion sie leiden.

Wir bitten, dass die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten in naher Zukunft weiter verbessert werden, nicht nur für die Menschen in der westlichen Welt, sondern dass preisgünstige Medikamente allen Menschen ermöglicht werden.

Die HIV-Infektion ist nach wie vor nicht heilbar. Wir bitten, dass die Menschen den Präventionsbotschaften weiter Gehör schenken und in der Lage sind, sich vor HIV zu schützen.

Seit Beginn der Epidemie gibt es in Deutschland 60.000 HlV-Infizierte. 20.000 Menschen sind bereits an den Folgen der HIV-Infektion gestorben. Wir beten für die Menschen, die an AIDS gestorben sind, bevor es bessere Behandlungsmöglichkeiten gab, aber auch in diesem Jahr sind Menschen an AIDS gestorben.
Wir bitten für die Menschen, die AIDS-Patienten betreuen und pflegen, dass sie eigene Unsicherheit im Umgang mit der Krankheit überwinden und sie in der Lage sind, den betroffenen Menschen die angemessene Hilfe zu geben.

Wir bitten für die politisch tätigen Menschen, dass sie weiterhin ihre Verantwortung für das gesundheitliche Wohl der Gesellschaft wahrnehmen und AIDS weiter zu ihrem Thema machen.
Wir bitten darum, dass jeder einzelne von uns sich noch berühren lässt von Not und Krankheit in unserem täglichen Leben und Solidarität zeigt. Die «rote Schleife» ist das Symbol dafür.

Vater unser
Segenslied Komm Herr, segne uns.
Segen Geh in Frieden. Dein Glaube hat dir geholfen.
Schlusslied Wo Menschen sich vergessen

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