OASE Trier

Jährliches Himmelfahrt-Treffen –
Unsere Beziehungen in den wilden Osten

Rüstzeitheim Reimer Mager (Rosenthal-Bielatal, 2016)

Angefangen hatte alles im Jahr 1989, noch zu einer Zeit, als ein Besuch sowieso nur von Westlern in den Osten denkbar war. Aber auch dieser musste sorgfältig eingefädelt werden. Der Besuch von DDR-Bürgern in den Westen war – von besonderen künstlerischen, wirtschaftlichen und politischen Reisen abgesehen – nur für Rentner erlaubt. Es waren jeweils Einladungen notwendig, eins zu eins, d.h. für jeden Besucher aus dem Westen musste einer aus der Magdeburger Gruppe schriftlich einladen. Naiv glaubten wir damals, mit der Wahl von verschiedenen Grenzübergängen etwa ein tatsächlich “geheimes” Treffen organisieren zu können. Vom heutigen Standpunkt aus gesehen war dieses Vorhaben lächerlich. Die Ost-Schwulengruppe, die unter dem Dach der evangelischen Kirche eine Heimat gefunden hatte und die die DDR tolerierte, war wohl mehr – als jeder damals ahnen konnte – von der Stasi unterwandert: Unser geplantes Treffen war also längst von sogenannten “informellen Mitarbeitern” weitergemeldet worden, und keiner weiß, was letztlich bei der Realisierung der damaligen Pläne herausgekommen wäre. Wohl nichts Gefährliches, denn auch ein Vortreffen von drei Trierern fand noch zu DDR-Zeiten statt ohne dass die Stasi erkennbar eingegriffen hätte.

Aber dann kam die Wiedervereinigung: Als wir Himmelfahrt 1990 mit drei Autos über die Grenze fuhren, die Deutschland zuvor in zwei Blöcke geteilt hatte, gab es diese Grenze in der zuvor für unabänderlich gehaltenen Form nicht mehr. Die Grenzkontrollen waren weg, wenn die Grenze als solche auch mehr als deutlich erkennbar war; straßenbaulich ging es nämlich über notdürftig in Stand gesetzte, jahrzehntelang unbenutzte Straßen, vorbei an Grenzanlagen, Wachtürmen und Kontrollwege. Es war ein bewegendes Erlebnis. Für die meisten war es nach den politischen Umwälzungen die erste direkte Erfahrung eines frei bereisbaren Deutschlands. Die ersten und letzten freie Wahlen in der DDR waren gerade zwei Monate her, und die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion sollte erst sechs Wochen später in Kraft treten.

Dass es ein Land Sachsen-Anhalt gab oder wieder geben sollte, in das wir reisten, wäre den meisten von uns noch kurze Zeit zuvor nicht geläufig gewesen. Als Bundesland erstand es wie die anderen vier auch erst am 3. Oktober 1990 wieder bei der Einigung Deutschland durch Beitritt in die deutsche föderale Republik.

(http://www.schmit-z.org/frames/magdeburg.htm; Autor: Georg Weege)


Die Treffen finden seitdem durchgehend (Ausnahme: Corona) im jährlichen Wechsel statt: in geraden Jahren fahren die Trierer in Richtung Osten, in ungeraden kommt die Ostgruppe ins Trierer Land. Damit wechselt auch jährlich die Verantwortung des Organisierens und Vorbereitens.

An dem verlängerten jeweiligen Himmelfahrt-Wochenende (Donnerstag – Sonntag) erleben wir neben der großen Wiedersehensfreude, dem herzlichen Beisammensein und netten Gesprächen auch wunderschöne Wanderungen und interessante Stadtbesichtigungen bzw. -führungen. Viele Städte und Sehenswürdigkeiten sind uns inzwischen vertraut geworden.

Ein paar der bisher besichtigten Städte sind:
Im Osten:
Dresden, Magdeburg, Syrau, Tangermünde, Meißen, Leipzig, Halle, Naumburg, …
Im Westen: Mettlach, Merzig, Metz, Schengen, Straßburg, Saarbrücken, Aachen, Koblenz, Maastricht, Ludwigsburg, …